Was soll ich sagen: gestern war so ein unglaublich schöner Tag – das kann ich gar nicht so recht beschreiben.
Trotzdem ein Versuch!

Vorgeschichte:
Freitag war meine erste Sprachschul-Rosskur-Woche zu Ende. Aber im Sprachtest habe ich dann tatsächlich 8,8 von 10 möglichen Punkten erreicht. Und Ihr könnt Euch gar nicht vorstellen, wie sehr ich mich auf das Wochenende gefreut hatte!
Andreas und ich sind dann Freitag von Playa del Carmen mit einem Mietwagen (geilo – 8€ am Tag!!) nach PUNTA ALLEN aufgebrochen. Ein verschlafenes Fischerdorf mit 400 Einwohnern – am Ende einer endlos langen Landzunge. Der Ort liegt am karibischen Meer – und ist der einzige Ort hier am Biosphärenreservat “Sian Ka`An” (Unesco-Weltkulturerbe – 5.280 km²). Ich hatte im Vorfeld schon gelesen, dass hier 4.000 Pflanzenarten, 28 Säugetierarten, 400 Fischarten und 300 Vogelarten eine Heimat haben!

Aber erst einmal mussten wir ja ankommen. Vom letzten “zivilisierten” Ort Tulum (DER Hippie-, Hipster- und Yoga-Hotspot schlechthin) waren es noch einmal 30 km – und dafür haben wir dann auch mit dem Auto 2 Stunden (!!) gebraucht. Die Mexikaner, denen ich hier von meinen Reiseplänen im erzählt hatte, haben mir alle abgeraten und mich nur ungläubig angeschaut. Was ich denn an diesem abgelegnen Ort wolle? Es gäbe dort ja überhaupt keine Partys, keine richtigen Restaurants, keine Musik und da sei ja der Hund verfroren…. Und mit jedem dieser Argumente wurde mein Wunsch, hierherzufahren größer und mein Lächeln breiter. Und was soll ich sagen: es war sogar noch viel “schlimmer”: Es gab nur stundenweise Elektrizität – und zu dieser Zeit auch nur eine lausige Internetverbindung. Es gab absolut KEIN Handynetz, keine Straßen (eher ein kraterähnlicher freier Pfad) keine Fernseher, fließend kaltes Wasser und 0,0 Remmidemmi (Deswegen auch jetzt erst der verspätete Blog-Eintrag).
Herrlich! Wir waren am Arsch der Welt angekommen – wunderschön!
Neben einem schwedischen Paar und einer fünfköpfigen “venezuelanisch-texanisch-mexikanischen” Familie waren wir auch wahrscheinlich die einzigen Gäste an diesem verwunschenen Ort. Auf Grund der Lage in einem geschützten Gebiet und der relativ beschwerlichen Anreise werden sich hier auch hoffentlich nie Hilton-Hotels, Supermärkte oder ähnliches ansiedeln können.

Eine Tex-Mex-Venez-Famile, die wir dort kennenlernten, kommt fast wöchentlich hierher – und wohnte auch in unserer kleinen Unterkunft, und wir waren irgendwie gleich Teil der Familie: wir haben gleich gemeinsam gefrühstückt – die Venezuelanerin hatte für uns Arepas mit Ei und Käse zum Frühstück in der Gemeinschaftsküche gemacht (Arepas sind fritierte Maisfladen, ein bisschen wie Pitas).
HAUPTGESCHICHTE:
Nun komme ich zum wunderschönen gestrigen Tag: Wir haben eine Bootstour mit unserem Herbergsvater David gemacht – ne ziemlich coole Type Mitte 30 – und wie die meisten Einheimischen in Punta Allens ein richtiger Maya.

David erzählte uns unter anderem, dass hier schon mehrfach Drogenpakete angeschwemmt worden sind. Unter anderem hatte er am Strand schon ein Kilopket Kokain gefunden, dass er für 50.000 Pesos weiterverkaufen konnte. 50.000 Pesos sind ca 2.500 €. Der Betrag war so gering, weil die Ware feucht geworden war. Er hat aber auch schon drei Kilo Marihuana gefunden – die aber wahrscheinlich eher zur Selbstmedikation Verwendung fanden. Mit ihm und den beiden Schweden sind wir hinaus aus den Mangrovensümpfen in eine große Lagune gefahren – vorbei an Fischadlern und lauter anderem großen Federvieh.
Mehrere Delfinfamilien schwammen entspannt neben uns her an einer Stelle, die auch von einigen anderen Ausflugsbooten genutzt wurde.


Der Höhepunkt stand uns aber noch bevor an einem weiter entfernten Riff, an dem weit und breit keine Menschenseele außer uns fünf unterwegs war. Auf dem Weg dorthin hatten wir schon einige große Meeresschildkröten (zum Teil über einen Meter lang!) unter uns im Wasser gesehen. Hier ging es dann für eine Stunde mit Flossen und Schnorchel auf Safari – und was wir hier gesehen haben, werde ich nie wieder vergessen: In dem glasklaren Wasser schwammen wieder direkt unter uns mehrere große Meeresschildkröten und ließen sich in ihren entspannten Bahnen von uns nicht stören – zum Greifen nah! Man war das toll! ich habe richtig feuchte Augen bekommen!! Und das unter der ollen Taucherbrille. Außerdem gab es noch unzählige Fischschwärme, riesige Korallen und lauter buntes Zeugs zu sehen. Direkt unter uns waren zum Beispiel auch ein schon recht imposant großer Ammenhai (mit einem Babyhai auf seiner Flosse) und ein Barracuda zu sehen – später kreuzten dann noch ein paar “Eaglesrays” (kleine Mantas) unseren Weg.

Ich kann Euch sagen: Das war ein Erlebnis! und nun sitze ich total glücklich und entspannt direkt am Strand unter einer Palme mit dem Notebook auf dem Schoß und schreibe Euch ein paar Zeilen. Und bevor mir noch eine Kokosnuss auf das Notebook plumpst, mache ich die Kiste lieber wieder zu und genieße den Ausblick und diese himmlische Ruhe!!

und sonst so:
- nach unserer Rückkehr wurden wir von “unserer” Familie gleich mit ein paar selbstgemachten Burgern, Nachos und Guacamole begrüsst
- Bei unserer Ankunft wurde auf dem Dach von zwei Männern irgendetwas stundenlang zusammengeschweißt. Fachgerecht in Flipflops! Und während der eine der beiden gar keine Brille trug, hatte sich Nummer Zwei zum Schutz eine Sonnenbrille aufgesetzt 🤪. Dieter (Andreas` Vater – und Maurermeister) wäre bei dem Anblick glaube ich alles aus dem Gesicht gefallen .

Nach mindestens 20 Jahren habe ich zum ersten Mal wieder Schach gespielt gegen den 8jährigen Sohn der Familie – und so RICHTIG verloren 🙂
