Uriels Geburtstag und Abschied von San Luis Potosí

Sonntag war unser letzter Tag in San Luis Potosí!

Die Stadt war ja so etwas wie unser Dreh- und Angelpunkt des Mittelteils unserer Reise. Hintergrund dazu ist unser Freund Uriel aus Hannover, der aus San Luis Potosí stammt, und uns eingeladen hatte – sozusagen die Initialzündung unseres Urlaubes.

… und Einladungen soll man ja nicht ausschlagen 😜

Wir waren schon ganz gespannt, was uns erwarten würde. Der Ortsname San Luis Potosí (SLP) ist gleichzeitig der Name der Provinz/des Staates. Der Lonely Planet sagt dazu “SLP gehört zu den idyllischsten und abwechslungsreichsten Bundesstaaten des Landes und zieht alle, die es besuchen, in seinen Bann. Dafür sorgen einerseits bezaubernde grüne Täler, die steilen Berghänge und die hohen Wasserfälle der Huasteca Potosina. Andererseits punktet die Hauptstadt auch mit der gleichnamigen historischen Hauptstadt, deren elegantes Zentrum aus der Kolonialzeit eher wie eine Filmkulisse anmutet….” dem ist nichts hinzuzufügen- wir sind begeistert! Die Stadt S.L.P.  hat 760.000 Einwohner und liegt eher in einem trockenen Gebiet.

Das historische Zentrum der Stadt wurde im Jahr 2010 als Teil des Camino Real de Tierra Adentro von der UNESCO als Weltkulturerbe eingestuft.

Uriel vor einer der unzähligen Kirchen

Beim Lesen im Reiseführer zu SLP musste ich oft schmunzeln, weil die weitere Beschreibung sich ein bisschen wie Hannover auf mexikanisch (echt jetzt!) anhört:

  • kein touristischer Ort / wenig Touristen
  • Durch die Automobilbranche industriell geprägt. Darüber haben wir ja auch unsere mexikanische Rasselbande in Hannover kennengelernt: Sie arbeiten bei Continental in Hannover. Conti hat auch ein Werk in SLP. Außerdem findet man an die Stadt angesiedelt weitere deutsche Bekannte: ThyssenKrupp, Dräxlmaier und Daimler. Und vor kurzem hat ja auch BMW entschieden, dass sie keinen Bock mehr auf Trump und die USA haben, und lieber in SLP ein Werk bauen, weil sie es für politisch sicherer halten 😃 – das Werk ging glaube ich gerade in Betrieb.
  • Der Ort gehört sicher nicht zu den Top-10 Higlights Mexikos – genau so, wie sich auch wenige internationale Touristen nach Hannover verirren.

Aber genau das fanden Andreas sehr interessant und reizvoll: ein echter mexikanischer Ort, ohne touristischen Fassaden und hochhausgesäumte Straßen.

Eine lebenswerte Stadt ohne viel Bohei und Chi-Chi.

Der Stadt ist trotz ihrer hohen Einwohnerzahl insgesamt sehr flächig. Damit meine ich, dass ein Großteil der Gebäude nur ein oder zwei Etagen hat, und die meisten Menschen hier wohnen in den eigenen vier Wänden. Das Stadtbild unterscheidet sich schon von europäischen Städten: es gibt wenig bis keine Grünflächen, und wenige Zentrale Plätze (außer Einkaufszentren!). Das direkte alte Zentrum sieht dann schon etwas anders aus:

Die Figur in der Mitte hat nichts mit dem Ku-Klux-Klan zu tun, sondern irgendetwas mit der katholischen Kirche. Die genaue Erklärung habe ich allerdings leider schon wieder vergessen 🤪
Ein herrlicher Ort für einen Spaziergang ist das koloniale Herz der Stadt. Hier gibt es zahlreiche begründete Plazas und herrschaftliche Bauten zu bewundern.
Die Stadt versprüht eine gewisse kulturelle Eleganz

Arschkalt!

Hier ist momentan die kalte Jahreszeit. Das bedeutet: tagsüber sind es 20-25°, nachts herrschen hier  schon einstellige Temperaturen – einige Nächte hatten wir auch Minustemperaturen. Worauf wir natürlich überhaupt nicht richtig vorbereitet waren was die Kleidung angeht, wir haben natürlich an Wüste und Sonne gedacht! Ich weiß, ich musste aus dem kalten Deutschland jetzt kein Mitleid erwarten, aber: Das war saukalt! 

Rechts war unser Hotel für die letzten zwei Tage. Bei unserem Gastgeber Alfredeo war es uns einfach nachts zu kalt!

Und als wir am ersten arschkalten Abend wieder nach Hause kamen, dachten wir so: ach jetzt gehen wir mal schön in die warme Wohnung. Aber: Denkste! Weil es nur ein Monat im Jahr hier so kalt ist, gibt es keine Heizung und auch keine Heizlüfter. Die Häuser sind hier natürlich auch nicht so isoliert wie in Deutschland. Das hat zur Folge: Außentemperatur ist fast InnenTemperatur im Haus! wir sind mit leichtem Reisegepäck unterwegs, und haben zwar ein Sweatshirt dabei, einen Wollpullover wäre aber deutlich angebrachter gewesen. Man glaubt, in der Wohnung seine eigenen Atem sehen zu können! Wir liefen auch tagsüber mit nem dicken Sweatshirt UND Mütze durch Alfredos Wohnung 😂🤣 (Uriels Kumpel, hier hatte er uns einquartiert). Morgens gingen Andreas und ich erst einmal raus in die Sonne, weil wir uns fühlten wie ausgekühlte Reptilien!

Trotzdem: eine sehr schöne Stadt – zu einer anderen Jahreszeit sichtlich noch umso reizvoller!

Uriels Geburtstag 

Uriel – Unser Begleiter in den letzten beiden Wochen – hatte im November einen runden Geburtstag 🎂, und hatte diesen am Sonntag mit seinen mexikanischen Freunden in einer “alternativen Kneipe” gefeiert. Das war ein sehr großer Spaß.

Dre geschmückte Innenhof der “Party-Gaststätte”
Viele nette Leute waren auf der Party! Und alle wollten mit den großen Deutsvhen einen Tequila trinken !
Die Wirtin war ein bisschen Typ “Beth Dito” (the Gossip)….. Und war auch sehr angebracht von dem großen Deutschen. Auch sie gab mir Tequila aus.

Ein weiteres lustiges Detail: Hier auf dem Foto seht ihr den DJ der Party. Er trug eine Fankutte der Metal-Band “Turbonegro”. Ich selbst war mal vor ein paar Jahren in einer Art “Fanclub” dieser Band und besitze auch noch ein entsprechendes T-Shirt. Das erzählte ich auch dem DJ! Der war dann so begeistert, dass er spontan erst einmal ein Lied der Band spielte. Um zum Abschied umarmte er mich, und übergab mir als Zeichen der Zuneigung seine Kappe!! Sie trägt auf der Oberseite die Aufschrift „Ugly Miss Piggy“!!! Irgendwie habe ich mich darüber gefreut 
😜
Eine kleine Impression von Uriels Geburtstagsparty 🥳… hier war es noch früherer Nachmittag
Hier war es schon etwas später. Und hatte ich eigentlich schon erwähnt, dass ich eigentlich die Tequila überhaupt nicht mag ….

Eine kleine lustige Anekdote am Rande, und damit Einführung in den mexikanischen Umgang mit dem Begriff Zeit: Uriel hatte zu 14:00 Uhr am Sonntag eingeladen, um 13:00 Uhr klingelte bei uns das Telefon, und Uriel teilte uns mit, dass sie momentan zu Hause kein Wasser hätten, und ob er bei uns vor der Party noch duschen könnte. Natürlich konnte er das, wir dachten aber schon, dass das ganze etwas knapp werden würde, wenn es um 14:00 Uhr losgehen sollte – und er ist ja der Gastgeber.. ..Uriel kam dann erst um 14:00 Uhr bei uns an! Er duschte in Ruh und meinte, dass sowieso keiner der Gäste pünktlich da sein würde.

als wir dann um 14:45 Uhr bei der Party ankamen, war tatsächlich (fast) noch keiner da!!

Natürlich gab es wieder sehr viel Tequila! Und wir als die großen exotischen Deutschen waren natürlich ein kleines Highlight, mit dem fast jeder der Gäste mindestens einmal anstoßen wollte.. Und wir mussten am nächsten Morgen um 5:45 Uhr aufstehen, da um 7:00 Uhr unser Bus zur Weiterreise abfuhr…. Wir versuchten noch, uns zurückzuhalten (Muddi, echt jetzt!). Trotzdem war der nächste Morgen nicht so richtig schön, und Andreas und ich verbrachten den Großteil der Busreise schweigend nebeneinander…😀😀

Kino in Mexiko 🇲🇽

Was man hier im Kino erleben kann, gibt es glaube ich an keinem Ort in Deutschland: die so genannten VIP Kinos! Es gibt die normalen Kinos, wie bei uns CinemaxX und Co. Es gibt aber auch eine Kette mit diesen besagten VIP Kinos. Diese sind meist in größeren Einkaufszentren untergebracht. Und die Säle gehen noch weit über die deutschen Luxuskinos hinaus: die Sessel lassen sich zu einer luxuriösen Sänfte in die Waagerechte zurückfahren (natürlich elektrisch), die Halterungen für die Getränke sind gleichzeitig Getränkekühler. Darüber hinaus gibt es eine riesige Speisekarte, mit der man aus den umliegenden Restaurants Essen an den verstellbaren Tisch neben den Sitzen bestellen kann! Wir entschieden uns für Sushi 🍣 und Hühnchen 🍗. Das war echt ein Erlebnis…. und die Karte war mit umgerechnet 7€ günstiger als Kino in Deutschland.

Trotzdem hielt mich das Kino nicht davon ab, die letzten 30 Minuten des Filmes (Star Wars) schön zu schlafen 💤- die Sitze waren einfach zu bequem! 

Kinosaal in einem VIP Kino

Danke Uriel für die vielen tollen Momente und die gemeinsamen Impressionen! Das war super! Und uns eine große Ehre, dein Gast sein zu dürfen!
Viva la México 🇲🇽! Viva! Viva!

Viele Grüße – und ein dreifaches “Tequila”,

Roberto Sierra

Spezial: Autos & Straßenverkehr in Mexiko

So, heute gibt es mal ein kleines Spezial zum Thema Autos und Straßenverkehr in Mexiko 🇲🇽. Denn: hier läuft der Hase wirklich anders!!

Verkehr in Mexiko

Ich kann euch sagen: nachdem wir nun mehrere Tage mit Alfredo als Fahrer  unterwegs waren,  bin ich froh, nicht weiter in größeren Städten fahren zu müssen:

  • In den Städten herrscht Tag und Nacht auf den Straßen hochfrequentierter Verkehr, mitunter Verkehrskollaps. Kein vor und kein zurück
  • Dazu kommt, dass Ampelschaltungen und Geschwindigkeitsbegrenzungen eher als „Angebot“ verstanden werden (ich habe öfter die Augen als Beifahrer geschlossen)
  • Mitunter stehen die Kreuzungen komplett voll, und es gibt kein vor und kein zurück mehr. So gar nicht!
  • Dann kommt die Polizei, regelt den Verkehr ab, und regelt den Verkehr von Hand. Es kann auch vorkommen, dass ich die Polizei quer in ein in der Verkehrsinsel stellt, um den Verkehr wieder zum Laufen zu bekommen
  • Wir haben hier einige größere und kleinere Verkehrsunfälle gesehen, inklusive zugedecktem Toten auf der Straße.
  • Dazu kommt das wirklich irritierende ständige Geblinke der Mexikaner: auch Alfredo – unser Fahrer der letzten Tage – setzt auf den permanenten Dauer-Links-Blinker als Zeichen, dass er gerne schnell fährt. Dabei ist unerheblich, ob man auf der rechten oder linken Spur fährt. Dazu wird auch sehr häufig der  Warnblinker eingeschaltet als Zeichen, dass grad irgendwas passiert (kann ein Stau sein, kann sein, dass man eigentlich anhalten will oder mit der Ollen auf dem Beifahrersitz gerade Stress hat). Und dann wird halt häufig vergessen, diesen Blinker wieder auszuschalten. Abschließend ist dann noch zu sagen, das ca 20% der Fahrzeuge defekte oder gar keine Beleuchtung haben. Das alles zusammen ergibt für mich als Nordeuropäer ein nicht zu durchdringendes Wirrwarr auf den Straßen. Gut, dass ich nicht mehr fahren muss:-)

Autos 🚗 in Mexiko

Wir haben hier so viele lustige Fahrzeuge auf der Straße gesehen, nur von einigen habe ich eine. Schnappschuss machen können. Das ist schon anders als man es aus Europa gewohnt ist. Hier ein paar Impressionen für euch.

Lasten Fahrzeug in Punta Allen
Hochzeitsschlitten in San Miguel de Allende

Der Käfer

Es war ja der große Clou von VW, als erster Autokonzern in Lateinamerika zu produzieren – als erstes den Käfer. Dementsprechend Hat der Kiefer das Straßenbild in der Tat im prägt. Nun wird der Käfer zwar schon seit einigen Jahren nicht mehr produziert, ist aber auf den Straßen von Mexiko noch immer sehr präsent. Und das in sehr individuellen Ausführungen, wenn man auf den folgenden Fotos sehen kann

Ja, auch das ist ein Käfer!

DER Ford Galaxy

Unser lustiger Autovermieter in San Louis Potosí hatte neben dem üblichen SIXT Fuhrpark noch sein privates Schätzchen in der Parkgarage stehen: einem riesigen Ford Galaxy! Als Andreas und ich das Schild mit dem Autotyp sahen, mussten wir lachen. Den Andreas Eltern fuhren bis vor kurzem auch einen Ford Galaxy, dieser sah aber deutlich anders aus als dieses Schlachtschiff! Und weil ich persönlich so angetan war von dem Ding, ließ es sich der SIXT-Mann nicht nehmen, uns einmal kurz stolz das Motorvolumen vorzuführen und einmal aufröhren zu lassen, wie man im folgenden Video schön hören kann. Entschuldige Greata, aber: echt ganz geil! 😜😜

was für ein Sound…. und was für ein geiler Schlitten

Da hätte ich ja gern auch mal ne Spritztour mit gemacht 😍

in diesem Sinne,

viele Grüße,

Roberto Alonso 🏎

Und zum Schluss noch ein Lacher: Bei dieser Hauswand hätte mal Dieter(Vater von Andreas, Maurermeister) Hand anlegen sollen. Eine deutsche Bauaufsicht hätte das Ganze wohl so nicht abgenommen.
Und ähnliche Konstruktionen haben wir tatsächlich öfter gesehen hier.
Andererseits gehört ja auch schon eine gewisse Kunstfertigkeit dazu, Betonteile so schweben lassen zu können!
oder was meinst du dazu, Dieter?

Cerro de San Pedro – Geisterstadt und Reiseodyssee

Mit Cerro de San Pedro stand noch ein weiterer Tagesausflug von San Luis Potosí aus auf dem Plan. Andreas und ich verzichteten dieses Mal darauf einen Mietwagen zu buchen, da die ca 45 minütige Anreise mit einem Uber nur umgerechnet 10 € für uns beide kostete. Uber ist die App, mit der man sich ein “Taxi” rufen kann, und einen dann Privatpersonen zum Zielort bringen. Klappt super, und ist hier in Mexiko der Standard.

Uriel war für diesen Ausflug krankheitsbedingt leider ausgefallen 🤢 

Ændy & Rob in Cerro de San Pedro

Cerro de San Pedro ist sehr besuchenswert! Zwar gab es auch hier noch einen lebendigen Ortskern, aber drum herum fühlte man sich tatsächlich wie in einer verfallenen alten Westernstadt. Aktuell leben hier noch 95 Menschen. Zu Zeiten, als die Gold- und Silberminen noch aktiv waren, war es wohl ein Vielfaches. Seit dem 16ten Jahrhundert wurde hier Bergbau betrieben, In den 1940ern wurden die Minen nach einem Streik jedoch stillgelegt.

Weihnachtsdeko geht natürlich ÜBERALL! Und Morgen – am 06.01 – ist dann auch hier Schluss damit
Ich sollte vielleicht doch über eine Instagram-Karriere nachdenken. Aber wer folgt großen alten Mânnern…..?
Jetzt schaut Euch mal an, wie hoch die Blütenstände sind – da bin sogar ich klein dagegen

Nun der (für den Leser) lustige Part

Die Rückreise gestaltete sich dann deutlich schwieriger als erwartet! So gut wie wir mit dem Uber hingekommen waren, so schwer war es nun wieder aus der Geisterstadt wegzukommen Es gab in dem gesamten Ort keinerlei Mobilfunknetz! Es gab zwar eine Internetverbindung (via WLAN), aber auch diese ist nach 20 Minuten komplett zusammengebrochen. Dazu kam: Uber konnte generell nicht in dem Ort bestellt werden, da er sich nicht im Angebotsbereich befindet.

Und Taxis gab es auch nicht! 

Da standen wir nun: kurze Hose, Holzgewehr! 

Alle Mexikaner, die wir kennengelernt hatten, hatten uns noch gewarnt: „überprüft immer genau die Uber Fahrer, ob die Nummernschilder übereinstimmen, und steigt auf KEINEN Fall in fremde Autos!“ 

Aber was blieb uns anderes übrig? Also richteten Andreas und ich unser Haupthaar und stellten uns mit erhobenen Daumen an die Straße.

Und was soll ich Euch sagen: gleich das erste Auto hielt an: ein Chevrolet. Der Fahrer war ein junger mexikanischer Student (der natürlich kein Englisch sprach). Nun hört sich Chevrolet im erst Moment für ein europäisches Ohr luxuriös an, von den Größenverhältnissen her handelte es sich aber eher um einen Fiat Panda🤣😂. Echt jetzt! Dazu kam, dass der junge Mann mit seinem Husky-Mischling unterwegs war, der wirklich extrem haarte! Und er hatte wohl vergessen, im letzten Jahr mal sein Auto von den Hundehaaren zu befreien. Also nahmen wir auf den haarigen Sitzen Platz. Die Fotos geben einen Eindruck unserer Rückreise! 

…ich habe selten so flauschig gesessen

Lustig war noch, dass Andreas unbedingt vorne sitzen wollte (ich glaube weil er meinte, da vor dem Hund seine Ruhe zu haben). Der Hund war aber quasi die gesamte Fahrt über im vorderen Farhrzeugbereich – entweder am oder auf dem Schoß des Fahrers, oder versuchte mit Andreas Freundschaft zu schließen. Hihi!

Andreas’ neuer bester Freund…. er haartet nicht nur sehr, er sabberte auch ganz schön doll
“Fahrt auf keinem Fall in Mexiko bei Fremden mit”

Als wäre das nicht alles schon genug gewesen: nach 15 Minuten war der Wagen überhitzt, machte eine Grätsche und wir mussten eine Zwangspause einlegen – neben der Autobahn. 🤣😂

Gott sei Dank hatten wir hier wieder Mobilfunk, und befanden uns darüber hinaus auch noch im Bereich, wo Uber angeboten wird. So konnten wir uns ein Fahrzeug rufen.

Also sprangen Andreas und ich aus dem Wagen – mit mehr oder weniger Hundehaaren am Körper aus dem Kleinstwagen und warteten auf Uber.

Besser gesagt auf Armando Augustin, unseren Fahrer. Und der war wieder ein Knaller, wie so oft hier bei den Taxifahrern: ein sehr gepflegter älterer Herr mit braun gebrannter Haut und tiefschwarz gefärbten Haar. Er war sehr erfreut, zwei deutsche Passagiere zu befördern, wie er uns in lupenreinem Spanglish (halb spanisch, halb englisch) zu verstehen gab. Deutschland sei ja sowieso in jeder Beziehung das tollste Land der Welt: die Kultur, die Wirtschaft, die Politik, alles toll! Und die vielen geschichtstächtigen Orte sowieso! Und nicht nur der Fußball – hier ist Deutschland natürlich sowieso die Nummer 1. Und das allerbeste an Deutschland seien die Deutschen an sich. Er fährt seit 40 Jahren Taxi, und er hat sie alle gehabt: die Koreaner, die Chinesen, Amis, Spanier usw. aber die Besten sind immer die Deutschen! 

Und Leute: so, wie er es sagte…. er meinte es ernst! Das ist uns sowieso häufiger passiert, dass man insbesondere als Deutscher ein mehr als gern gesehener Gast ist. Wir scheinen eine gewisse Bewunderung auszulösen: “warum funktioniert in Deutschland alles so super? Warum seid Ihr so gut in dem, was Ihr tut?” Solche und ähnliche Fragen haben wir öfter gehört. Naja, es fühlt sich für mich ganz persönlich mal gar nicht so schlecht an, wenn meine devote deutsche Seele  dererlei Wertschätzung erfährt – und nicht das Bild von uns im Vordergrund steht, was mir von deutschen Medien oder der AfD widergespiegelt wird…… aber nun gut, jetzt streife ich ab.

Als Armando Augustin dann auch noch erfuhr, dass wir ins Hotel “San Francisco” in San Luis wollten, war alles vorbei: denn hier hatte er vor 45 Jahren seine Hochzeitsfeier! Und er denkt noch immer jeden Tag gern daran…. 

was für ein putziger Kerl!

Ich fragte ihn dann noch wie alt er sei – 70 war seine stolze Antwort. Und er würde seit 40 Jahren unfallfrei fahren! Und es gäbe nichts schöneres für ihn, als jeden Tag in sein Taxi zu steigen, durch die Stadt zu fahren, und neue Menschen kennenzulernen! Tja, das ist dann hier doch eine andere Einstellung zur Arbeit und zum Leben – die wir hier aber generell sehr häufig (oder eigentlich immer!) angetroffen haben: eine große Dankbarkeit und Zufriedenheit mit dem eigenen Leben!

Schön war’s!

So, jetzt habe ich aber auch genug gepredigt,

Das passt ja hier zum heutigen Sonntag!

Euch einen tollen Sonntag – bzw einen guten Start in die Woche,

Gott segne Euch 🙂

Padre Roberto